Berlusconis Puffpolitik

Der Showdown des italienischen Ministerpräsidenten hat begonnen. Seine häufigen Affären mit jungen Damen hat die Einstellung der Italiener zu ihrem Cavalliere drastisch verändert. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Berlusconi abtreten muss.
Schauplatz ist der Palazzo Chigi, der Amtssitz des italienischen Ministerpräsidenten.
Vor einem kitschigen Wandgemälde mit barbusiger Dame, das Silvio Berlusconi persönlich hat anbringen lassen, sitzen Innenminister Roberto Maroni und der Premier selbst. Sie verkünden die eben beschlossenen Maßnahmen der Regierung gegen die Prostitution. Keinem der beiden steigt dabei die Schamesröte ins Gesicht. Keiner verzieht eine Leidensmiene. Im Gegenteil: “Niemand ist so sehr auf der Höhe der Zeit wie Silvio Berlusconi”, beantwortet selbiger eine Journalistenfrage, in der vorsichtige Zweifel daran mitschwingen. Betretenes Schweigen.

Die Szene ist nicht erfunden, sie ist italienische Realität. Sie hat sich am Freitag in Rom zugetragen. Die Nation hört seit Tagen Nachrichten über die minderjährige marokkanische Prostituierte Ruby und das Escort-Girl Nadia, mit denen der Ministerpräsident gegen Geld verkehrt haben soll. Sie hört die Einlassungen Berlusconis, dass er lieber mit Minderjährigen zugange sei, als schwul zu sein. Sie nimmt zur Kenntnis, dass er Fini am Rande einer Gedenkfeierlichkeit zugeflüstert haben soll, dass das Mädchen “volljährig” und “unbescholten” gewesen sei, um sicherzustellen, dass dieser am Wochenende seine Regierung nicht endgültig platzen lässt. Berlusconi auf der Höhe der Zeit, ja eh.

Berlusconi sollte Italien einen letzten Dienst erweisen und gehen, dann hat er auch mehr Zeit, sich um seine Vielzahl von Prozessen zu kümmern.